Die erste Behindertendemo der Schweiz findet am 6.6.1979 statt.

Menschen mit Behin­de­rungen machen erstmals ihre Forderungen öffentlich

1973–1976

Dr. Fritz Nüscheler publiziert eine umfangreiche Studie, die das Problem der Ein­glie­derung unter verschiedenen Aspekten behandelt. Die Studie zeigt auf, dass die Integration von Menschen mit Behin­de­rungen sich auszahlt, diese aber nach wie vor grosse Lücken aufweist, insbesondere bei der Schulung wie auch im Bereich Wohnen, Verkehr, Freizeit usw. Nüscheler fordert die volle Gleich­stellung und Gleichberechtigung der Behin­derten­.

Die erste Beratungsstelle für behinderten­gerechtes Bauen wird ins Leben gerufen. Um Rollstuhlfahrenden einen vertretbaren Komfort bieten zu können, beschliessen die SBB, in den neuen Gepäckwagen besondere «Invaliden­abteile» einzurichten. Diese Abteile sind wie ein Zweitklasseabteil ausgerüstet.

Die Norm SNV 63 «Wohnungen für Geh­behi­nderte» wird 1974 überarbeitet und erweitert. Neu heisst sie «SNV 521 500 Bauliche Mass­nahmen für Geh­behi­nderte». Das neue Bundesgesetz über die Wohn- und Eigentumsförderung (WEG) sieht den Einbezug von sogenannten Invaliden­wohnungen vor.

An der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 9.12.1975 wird eine besondere Erklärung für die Rechte der Behin­derten­ verabschiedet (Deklaration Nr. 3447). Darin wird festgehalten, dass die Mitgliedsstaaten verpflichtet sind, eine Integration behinderter Menschen weitestgehend zu fördern, damit sie ihre Fähigkeiten in den unterschiedlichsten Tätigkeitsbereichen entwickeln können.

Der 13. Weltkongress von «Rehabilitation International» nimmt diesen Ball auf und anerkennt die UNO-Deklaration als fundamentale Erklärung, die allen behinderten Personen, ohne Ausnahme, die gleichen zivilen und politischen Rechte garantieren soll. Der Kongress stimmt auch dem Grundsatz zu, dass behinderte Personen in jeder Entscheidungsstufe aktiv beteiligt werden sollen. Er empfiehlt den sofortigen Erlass von Gesetzen, die unter anderem die Mobilität der Behin­derten­ im öffentlichen Verkehr, die Zugänglichkeit von öffentlichen Bauten und die Benützbarkeit von allgemeinen Diensten sowie die Bereitstellung von Wohngelegenheiten, die den speziellen Bedürfnissen der Behin­derten­ entsprechen, gewährleisten sollen.

Am 16.12.1976 verabschiedet die UNO eine weitere Resolution über die Verwirklichung der Rechte der Behin­derten­. Darin erklärt die Generalversammlung das Jahr 1981 zum Internationalen Jahr der Behin­derten­. Das Motto: «Volle Teilnahme der Behin­derten­ an allen Lebensbereichen».

Zusammen mit dem Ring invalider Mädchen (abgekürzt RIM, später Impuls) beginnt der CeBeeF mit der Herausgabe der Zeitschrift «PULS». Die Zeitschrift von und für Be­hin­derte und Nichtbehinderte behandelt im Laufe ihrer Geschichte viele gesellschaftliche Themen rund um die Gleich­stellung.

1978–1980

Erstmals in der Schweiz wird in einem kantonalen Baugesetz etwas zu Wohnungen für Be­hin­derte geregelt. Die Baubehörde des Kantons Solothurns kann im Einzelfall Bedingungen und Auflagen von Invaliden­wohnungen in Wohnsiedlungen und Mehrfamilienhäusern festlegen.

Vor dem Bundeshaus in Bern findet am 6. Juni 1979 die erste Behin­derten­demonstration der Schweiz statt. Sie ist als «Parlamen­tarier­besichti­gung» getarnt.

Im Jahr 1980 werden in Genf erstmals Trottoirs abgesenkt, so dass sie auch für Rollstuhlfahrende gut benutzbar sind.

1981

Das UNO-Jahr der behinderten Menschen. Zahlreiche Aktionen, Medienberichte und Veröffentlichungen zeigen der Allgemeinheit die Probleme von Menschen mit Behin­de­rungen in der Gesellschaft auf.

Gründung der Schweizerischen Fachstelle für behinderten­gerechtes Bauen in Zürich. Als Dach der Fachstelle wird im gleichen Jahr eine «Stiftung zur Förderung einer behinderten­gerechten baulichen Umwelt» geschaffen.

Die ASKIO stellt Martin Stamm als Zentralsekretär ein und beginnt sich intensiver mit den Fragen rund um die Gleich­stellung von Menschen mit Behin­de­rungen zu beschäftigen.